Frankfurter Hauptfriedhof:  Grabstätte  Augusto Varnesi (1866 - 1941)
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Grabstätte: Gewann F 638
Giulio Cesare Augusto Varnesi (02.02.1866 - 15.08.1941), Bildhauer Klick vergrößert
Neogotische Stele aus rotem Sandstein mit geschweiftem Giebel.
Ein halbrunder Dienst teilt sie in zwei spiegelbildlich ausgeführte
Hälften und trägt einen Scheitelstein
mit Wappen, darüber ein Kreuz.
Zwei profilierte Spitzbogen, mit Blendmaßwerk verziert,
rahmen die Schriftspiegel. Der Stele hinzugefügt ein Pultstein
aus rotem Sandstein mit einer Inschriftplatte aus rotem Granit,
zugleich Deckplatte für die ausgemauerten Urnenschächte.
Entwürfe:
Stele: A. Sprückmann 1866
Pultstein: Gebr. Wagner 1900 nach dem Entwurf von A. Varnesi
Grabstätte im Jahr 1998

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Grabstätte im Jahr 2006 Pultstein-Inschrift Grabstätte: Lage in Gewann F
Biographie aus Frankfurter Sicht

Varnesi, Giulio Cesare Augusto. Professor, Bildhauer und Goldschmied, geboren am 2.2.1866 in Rom, gestorben am 15.8.1941 in Frankfurt am Main, wo sich auch seine Grabstätte auf dem Hauptfriedhof befindet.

Sohn eines Bildhauers und Erzgießers. Varnesi studierte zunächst in Rom, später in München und Berlin. Mitarbeit an der bauplastischen Ausgestaltung des Berliner Reichstags unter Paul Wallot. Von 1896 bis zu seinem Tod war Varnesi in Frankfurt am Main ansässig, wo er als freischaffender Künstler wirkte. Seit 1897 lehrte er zusätzlich an der Technischen Hochschule Darmstadt, seit 1898 als außerordentlicher Professor. Varnesis künstlerische Vielseitigkeit auf solider handwerklicher Grundlage basierend, den Formenüberschwang der Gründerzeit eher vermeidend dokumentierte sich in sehr verschiedenen Auftragsarbeiten, wobei die Werke für den Sakralbereich dominierten, darunter: Tabernakel für den Fuldaer Dom, Hauptaltar für die Hamburger Michaeliskirche, Plastiken für den Mainzer Dom, die Wiesbadener Lutherkirche, mehrere Bildwerke für den Vatikan.
In Frankfurt am Main schuf er eine Pietà für das Marienkrankenhaus, die Figurengruppe „Dichtung“ und die Reliefdarstellungen „Tragödie“ und „Komödie“ für das neue Schauspielhaus (1902), vier überlebensgroße Atlanten unter dem Verbindungsgang des Rathausneubaus (1904), die Grabmale für Oberbürgermeister Miquel, der Familien von Bethmann und de Ridder sowie den Skulpturenschmuck der Matthäuskirche. Varnesis bekannteste Frankfurter Arbeit entstand jedoch im Profanbereich: zwischen 1904 und 1907 führte er das "Goldene Buch der Stadt Frankfurt am Main" (gestiftet von der Familie Bethmann) aus. Für das bis heute genutzte Gästebuch schuf Varnesi den kostbaren Einband. Eine Elfenbeintafel, die Frankfurter Synode von 794 darstellend, wird von fein ziselierten Goldblechen umrahmt, welche wiederum Wappen und Edelsteine einfassen. Für die mehrjährigen Arbeiten am Goldenen Buch beschäftigte Varnesi mehrere Mitarbeiter, darunter den Frankfurter Bildhauer August Haag. 1926 entwarf er die Brücken Medaille (Einweihung der Neuen "Alten Brücke"), 1932 die Goethemedaillie der Stadt Frankfurt am Main. In seinen letzten Lebensjahren beschäftigte sich Varnesi mit der städtebaulichen Umgestaltung des Bereichs zwischen Eschenheimer Turm und Roßmarkt, die jedoch über ein Planungsstadium nicht hinaus kam.

 
Weitere Informationen Literaturhinweis:
Frankfurter Biographien
Herausg. Prof. Wolfgang Klötzer
Waldemar Kramer Verlag, Frankfurt/M. 1996