Biographie aus Frankfurter Sicht
Varnesi, Giulio Cesare Augusto. Professor, Bildhauer und Goldschmied,
geboren am 2.2.1866 in Rom, gestorben am 15.8.1941 in Frankfurt am Main,
wo sich auch seine Grabstätte auf dem Hauptfriedhof befindet.
Sohn eines Bildhauers und Erzgießers. Varnesi studierte zunächst in Rom,
später in München und Berlin. Mitarbeit an der bauplastischen
Ausgestaltung des Berliner Reichstags unter Paul Wallot. Von 1896 bis zu
seinem Tod war Varnesi in Frankfurt am Main ansässig, wo er als
freischaffender Künstler wirkte. Seit 1897 lehrte er zusätzlich an der
Technischen Hochschule Darmstadt, seit 1898 als außerordentlicher
Professor. Varnesis künstlerische Vielseitigkeit auf solider
handwerklicher Grundlage basierend, den Formenüberschwang der
Gründerzeit eher vermeidend dokumentierte sich in sehr verschiedenen
Auftragsarbeiten, wobei die Werke für den Sakralbereich dominierten,
darunter: Tabernakel für den Fuldaer Dom, Hauptaltar für die Hamburger
Michaeliskirche, Plastiken für den Mainzer Dom, die Wiesbadener
Lutherkirche, mehrere Bildwerke für den Vatikan.
In Frankfurt am Main
schuf er eine Pietà für das Marienkrankenhaus, die Figurengruppe
„Dichtung“ und die Reliefdarstellungen „Tragödie“ und „Komödie“ für das
neue Schauspielhaus (1902), vier überlebensgroße Atlanten unter dem
Verbindungsgang des Rathausneubaus (1904), die Grabmale für
Oberbürgermeister Miquel, der Familien von Bethmann und de Ridder sowie
den Skulpturenschmuck der Matthäuskirche. Varnesis bekannteste
Frankfurter Arbeit entstand jedoch im Profanbereich: zwischen 1904 und
1907 führte er das "Goldene Buch der Stadt Frankfurt am Main" (gestiftet
von der Familie Bethmann) aus. Für das bis heute genutzte Gästebuch
schuf Varnesi den kostbaren Einband. Eine Elfenbeintafel, die
Frankfurter Synode von 794 darstellend, wird von fein ziselierten
Goldblechen umrahmt, welche wiederum Wappen und Edelsteine einfassen.
Für die mehrjährigen Arbeiten am Goldenen Buch beschäftigte Varnesi
mehrere Mitarbeiter, darunter den Frankfurter Bildhauer August Haag.
1926 entwarf er die Brücken Medaille (Einweihung der Neuen "Alten
Brücke"), 1932 die Goethemedaillie der Stadt Frankfurt am Main. In
seinen letzten Lebensjahren beschäftigte sich Varnesi mit der
städtebaulichen Umgestaltung des Bereichs zwischen Eschenheimer Turm und
Roßmarkt, die jedoch über ein Planungsstadium nicht hinaus kam.
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