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Auszug aus der „ Frankfurter Zeitung“ – Morgenblatt vom 11.09.1905
Bootunglück auf dem Main
= Frankfurt, 11. Septbr. Das Privatboot des Bankiers Hugo Keßler, ein
Doppelzweier, ist Sonntag Abend gegen 6 Uhr auf dem Main in der Nähe der
Wilhelmsbrücke auf der Sachsenhäuser Seite untergegangen. Leider sind
bei dem Unfall zwei junge Menschenleben vernichtet worden; ein Neffe des
Herrn Keßler, Schüler des hiesigen Goethe-Gymnasiums, und ein anderer
junger Anverwandter aus England, der Sohn eines dort lebenden Vetters
des Bootsbesitzers, sind ertrunken.
Das Boot war mit Herrn Keßler, seinem Associé Herrn W. Melber und den
Genannten besetzt. Das Wetter war stürmisch, bei einem heftigen Windstoß
schlugen die Wellen ins Boot und füllten es so rasch, dass es im Nu
sank. Die beiden jungen Leute gingen unter und verschwanden in den
Wellen, bevor ein Versuch zu ihrer Rettung gemacht werden konnte,
obgleich sich der Unfall ganz in der Nähe des Ufers ereignete.
Sie standen im Alter von 17 Jahren und waren von kräftiger Gestalt; der
eine, der Schüler des Goethe-Gymnasiums, war sogar ein guten Schwimmer.
Die Herren Keßler und Melber konnten sich ans Ufer retten. Die
Rettungswache wurde sofort benachrichtigt und erschien an der
Unfallstelle, um Wiederbelebungsversuche anzustellen, wenn die
Verunglückten geländet würden. Das war aber bis zum späten Abend noch
nicht geschehen. |
Das Bootunglück auf dem Main
Die Leichen der beiden jungen Leute, die, wie im Morgenblatt gemeldet
ward, bei einem Bootunfall auf dem Main ertrunken sind, wurden gestern
spät Abends in der Nähe der Unfallstelle von Fischern geborgen.
Die Leiche des jungen Kessler, Schüler des Goethegymnasiums, kam in die
Wohnung der Mutter auf der Bockenheimer Landstraße, die des jungen
Engländers wurde nach dem Sachsenhäuser Friedhof verbracht.
Der Unfall ereignete sich im Kohlenhafen. Das Wasser ist dort, wo
Schiffe mit großen Lasten ankern, sehr tief. Die vier Bootinsassen
machten schon am Morgen eine Tour nach Kelsterbach. Bei der Heimfahrt
wehte ein starker Wind und gegen Abend setzte ein heftiger Sturm ein.
Die Wellen schlugen ins Boot und brachten es zum Sinken. Die zwei
erwachsenen Begleiter erreichten durch Schwimmen das Ufer.
Kohlenarbeiter, die den Vorfall beobachtet hatten, versuchten den
anderen beiden, die mit den Wellen rangen, Hilfe zu bringen und kamen
auch in die Nähe des einen. Die Wellen gingen aber zu hoch, die
Unglücklichen verschwanden in den Fluten.
- Aus Ruderkreisen wird uns geschrieben: „ Angesichts des gestrigen, so
tief beklagenswerten Bootunfalls möchte ich auf die Tatsache hinweisen,
die entweder wenig bekannt ist oder nicht genügend beachtet wird: Jedes
aus Holz gebaute Ruder- oder Segelboot hat auch in gesunkenem oder
umgekipptem Zustande noch ausreichende Tragfähigkeit, um Menschen über
Wasser zu halten.
Jeder Insasse eines Bootes sollte daher vor Antritt der Fahrt
ausdrücklich angewiesen werden, im Falle des Kenterns oder Sinkens
unbedingt beim Boote zu bleiben; durch Auflegen einer Hand kann man sich
mit Leichtigkeit über Wasser halten. Die erforderliche Ruhe und
Besonnenheit wird geübt, wenn man das sichere Rettungsmittel kennt und
daran denkt, es anzuwenden; eine entsprechende Anweisung sollte daher in
jedem Boot angebracht werden, und die Ruderlehrer und Bootverleiher
stets darauf hinweisen. Jeder erfahrene Ruderer wird das Gesagte
bestätigen. H. St.“
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