Frankfurter Hauptfriedhof:  Grabstätte in Patenschaft
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GPS: N 50° 07' 57.1" E 008° 41' 06.8''

Grabstätte: Gewann A 276a
Weitere Informationen: Klick vergrößert
Ehrengrab Alfons Paquet (26.01.1881 - 08.02.1944)
Weltreisender, Dichter, politischer Journalist
Marie Henriette Paquet-Steinhausen (1881-1958) Malerin
 
Auf der Rückseite des Grabstein ist zu lesen:

Sehend lebe der Mensch der Sonne
Und dem unmöglichen Tode zu
Nicht alleine wird er geboren
Noch stirbt er allein,
Ihm folgt die Gerechtigkeit,
Und zu Helden macht uns alle
Das unvollkommene
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Bild links:
Grabstein Rückseite
mit Inschrift

Bild unten:
Die Traueranzeige von
Marie Henriette Paquet-Steinhausen

Text der Traueranzeige:
 
Klick vergrößert Am 14. Oktober 1958 ist unsere vielgeliebte und verehrte Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante
DIE MALERIN MARIE HENRIETTE PAQUET-STEINHAUSEN
im 78. Lebensjahr nach langer Krankheit sanft entschlafen.
Frankfurt am Main, Oberlindau 5

Prof. Dr. Dr. Volker Klingmüller und Frau Henriette, geb. Paquet
mit Viktoria, Bernhard, Volker und Oswald
Friederike Satow, geb. Paquet mit Michael und Barbara
Dr. Sebastian Paquet und Frau Sonja, geb. Dauter

Dr. Max von Brück und Frau Barbara, geb. Paquet
mit Marie-Theres, Bernhard, Thomas und Maximilian
Lothar Woeller und Frau Wilhelmine, geb. Paquet mit Thomas und Lothar
und alle Verwandten

Die Beerdigung findet Montag, 20. Oktober 1958, 11 Uhr, auf dem Hauptfriedhof statt


Presseartikel vom 20. Oktober 1958 der Frankfurter Neuen Presse
unterzeichnet von Fried Lübbecke
Tod einer Künstlerin
M. H. Paquet-Steinnausen

Im 79. Lebensjahr erlosch still nach langem Altersleiden das Dasein einer Frankfurter Künstlerin: Marie Henriette Paquet-Steinhausen. In ihrem Namen verbinden sich zwei für unsere Stadt bedeutende Namen. Sie war die Gattin
von Alfons Paquet und die älteste Tochter des Malers Wilhelm Steinhausen.

Auch ihr Vater wurde wie sie 78 Jahre alt. Er starb am 5. Januar 1924 nach langer Lähmung im linken der beiden schmalen Häuser an der Wolfsgangstraße, die der Bauunternehmer Simon Ravenstein für Steinhausen und Thoma 1877, als seinen "Hauskünstler", damals weit draußen in der Feldmark erbaute. Beide - der Berliner und der Schwarzwälder - sollten Ravensteins Prunkbauten mit Gemälden und Skulpturen schmücken, was dann auch am Hause zur Bavaria in Bauers Cafe und am Eckhaus zum Kaiser Karl an der Zeil und der Großen Eschenheimer
Straße geschah.
Das Ehepaar Steinhausen hatte zwei Söhne und vier Töchter, während die Ehe Thomas kinderlos blieb. Überall roch es auf diesem Künstlereiland nach Farbe, standen Staffeleien und Pinsel herum. Auch Frau Cella Thoma malte, meist Blumenstilleben. Anfangs fanden sie willigere Käufer als die vielgeschmähten Bilder ihres Mannes.

Mußte es nicht den Kindern in den Fingern jucken, selbst zu zeichnen und Palette und Pinsel in die Hand zu nehmen, besonders Marie Henriette, Vater Steinhausens begabte Tochter. Unter seiner Anleitung lernte sie zeichnen; auch Onkel Thoma sah ihr gern über die Schultern und verglich sie mit Merians berühmter Tochter Sibylle, die auch bei ihrem Vater das Malen und Kupferstechen erlernte.

1910 freite der Schriftsteller und Dichter Dr. Alfons Paquet aus Wiesbaden um Marie Henriette. Er war fast unbekannt, aber gefiel der jungen Malerin. "Geld wäre bei ihnen immer das wenigste gewesen", scherzte der Poet. Trotzdem wurde diese Ehe überaus glücklich. Bald marschierten bei den jungen Paquets sechs Kinder an,
wie bei den Eltern Steinhausen, ebenfalls zwei Buben und vier Mädchen, alle hochgewachsen und schön.
Von den Söhnen fiel 1943 Bernhard Paquet als Offizier in Rußland. Ein Partisan hatte den hochbegabten Künstler aus dem Hinterhalt erschossen. Der Schmerz des Vaters und der Mutter war grenzenlos. Immer wieder entquollen ihren Augen die Tränen. Bernhard war ein Talent von hohen Gnaden, zeichnete, malte und schrieb gleich gut. Seine vier Schwestern fanden tüchtige Männer alle vier auch als Schriftstellerinnen begabt. Unter ihnen heiratete Bärbel den bekannten Schriftsteller von Brück und die jüngste, Wilhelmine, genannt Wiwi, den bedeutenden Frankfurter Buchdrucker Lothar Woeller. Mit ihm zusammen bringt sie Bücher - besonders, über das Porzellan - von hohem bibliophilem Rang heraus.

Als ihr Vater Alfons Paquet im Februar 1944 am Schaumainkai 16 im Keller während eines schweren Luftangriffs, am Herzschlag starb, brachte uns Wiwi als Botin ihrer Mutter, die erschütternde Botschaft über den Main ins Schopenhauer-Haus hinüber.
Heute schreibe ich Marie Henriette Paquet-Steinhausen diese Worte zum Abschied:
Sie war eine große Frau, eine gute Mutter und eine echte Künstlerin.