Frankfurter Hauptfriedhof:
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Lina von Schauroth - Grabstätte Gewann F 1786

pers
Schauroth, Lina Susanna von, gen. Linz, geb. Holzmann. Malerin, Graphikerin, Glas- und Mosaikkünstlerin. Geboren am 9. Dezember 1874 in Frankfurt am Main, gestorben am 6. November 1970 Frankfurt am Main. Jüngste Tochter des Bauunternehmers Philipp Holzmann (1836-1904), des Erbauers der Bagdadbahn. Kindheit im Hause Untermainkai 70, wo einst Goethes Eltern getraut wurden. Seit 1888 privater Zeichenunterricht bei Hasselhorst am Städel. Weitere Ausbildung bei Mannfeld, Trübner und Roederstein in Frankfurt am Main, sowie in Paris. 1895 Heirat mit Leutnant Hans von Schauroth (1869-1909), damals Regimentsadjutant in Hanau. Nach der Geburt des Sohnes Wolff Udo (1905-1988) und dem frühen Tod ihres Mannes an den Folgen eines 1905 erlittenen Reitunfalls (Grabmal, geschaffen von Lina von Schauroth, auf dem Frankfurter Hauptfriedhof, 1911) setzte Schauroth ihre künstlerische Ausbildung bei Ludwig Hohlwein unter anderem in München fort. Sie begann mit Tierstudien, insbesondere - da sie selbst von Jugend an eine passionierte Reiterin war - Pferdebildern. Als freischaffende Künstlerin dann wieder meist in Frankfurt am Main lebend, war sie zunächst vor allem auf dem Gebiet der plakativen Kunst tätig. Sie fertigte gebrauchsgraphische Arbeiten wie Werbekarten für den Frankfurter Zoo und die Frankfurter Messe, Plakate für Reitsportveranstaltungen und den Tierschutz sowie Entwürfe für Bucheinbände und Illustrationen.

Während des Ersten Weltkriegs schuf sie Plakate, Schmuckblätter, Postkarten, Werbemarken und ähnliches vorrangig zu "vaterländischen" Zwecken im Dienste der Kriegsfürsorge, meist mit Motiven aus dem Soldatenleben. Hauptsächlich widmete sich Schauroth in der Kriegszeit aber der karitativen Tätigkeit für die Frontsoldaten und deren Hinterbliebene. Seit 1914 organisierte sie Sammlungen von "Liebesgaben" und transportierte diese selbst an die Front, teilweise im Dienst des Roten Kreuzes und des Generalkommandos; außerdem leitete sie ein Frankfurter Soldatenheim (1915-1918) und arbeitete kurzzeitig in einer Munitionsfabrik (1918). Für ihre Verdienste auf dem Gebiet der Kriegsfürsorge wurde Schauroth mit dem Preußischen Verdienstkreuz, dem Hessischen Kriegsehrenzeichen, dem Hindenburg-Kreuz und der Rote-Kreuz-Medaille ausgezeichnet; zu besonderen Anlässen trug sie zeitlebens die Ordensspange. Mitbegründerin und Vorstandsmitglied der Deutschnationalen Volkspartei in Frankfurt am Main. Beteiligt am Kapp-Putsch. Als Künstlerin wandte sich Schauroth immer mehr dekorativen Arbeiten zu, insbesondere der Wand- und Glasmalerei sowie dem Mosaik und dem Glasschliff, wobei sie die Technik für Glasarbeiten um 1920 bei der Firma August Wagner in Berlin-Treptow erlernte. Ihre "Kunst am Bau" schuf sie für Privat- und Geschäftshäuser, Cafés und Restaurants sowie Kirchen und öffentliche Bauten. Ihre wichtigsten dekorativen Arbeiten vor 1945 waren: die im Auftrag von Poelzig entstandene Glasschliffdecke mit einem Sternbildfries in zwölf Teilen im großen Sitzungssaal des IG-Hochhauses, acht Glasschliffenster im Ehrensaal des Behrensbaus der Farbwerke Hoechst (1932), ein mehrteiliges Glasfensterbild mit Ähren und Garben für den Börsensaal der Frankfurter Getreidebörse (um 1930), Kirchenfenster für die Mauritiuskirche in Schwanheim (1920er Jahre), für die Paul-Gerhardt-Gemeinde in Niederrad und für die Kreuzkirche in Preungesheim (1938) sowie ein Glasschliffenster für die Hohenzollerngruft im Berliner Dom, schließlich die Wandbilder "St. Martin" und "St. Georg" im Frankfurter Karmeliterkloster sowie "Gekreuzigter" in der Bockenheimer Jakobskirche. Ihrer deutschnationalen Gesinnung entsprechend, schuf sie auch zahlreiche Krieger-Ehrenmale (Wandbild "Betender Ritter" als Kriegerehrung in der Evangelischen Kirche in Eppstein, Gedächtnisfenster für die Gefallenen in Friedberg, Ehrensäule aus Glasmosaik an der Evangelischen Kirche in Oberursel und andere); sie war zeitweise Landesführerin des Stahlhelmfrauenbunds für Großhessen, des Luisenbunds, und soll 1925 eine Mosaikarbeit "Pferdeköpfe" in ein SA-Heim gestiftet haben. Als jedoch der Stahlhelm 1934 der SA angeschlossen wurde, trat sie aus der Vereinigung aus und verzichtete künftig auf politische Aktivitäten, arbeitete aber künstlerisch z.B. im Auftrag der Wehrmacht (Glasschliffenster mit Reiterdarstellungen für das Militärkasino in Döberitz). Sie selbst bezeichnete sich als "pr. pr." (preußisch und protestantisch") und blieb ihr Leben lang kaisertreu. Zerstörung der meisten ihrer Frankfurter dekorativen Arbeiten infolge von Kriegseinwirkungen. Ausbombung ihres Ateliers am Schaumainkai (22.3.1944) und Evakuierung. Nach 1945 konnte Schauroth auf Initiative von Fried Lübbecke nach Frankfurt am Main zurückkehren, wo sie von 1946 bis 1953 einige von Trümmerromantik geprägte Zeichnungen der zerstörten Stadt schuf. Trotz ihres Alters knüpfte Schauroth auch wieder an ihre dekorativen Arbeiten an. Ihr bedeutendstes Werk waren die Fenster für die wiederaufgebaute Nikolaikirche. Die fünf Chorfenster, gestiftet von Charles Engelhard, New Jersey (USA), im Andenken an seinen und Schauroths gemeinsamen Großvater Johann Philipp Holzmann, entstanden 1951. Die vier Fenster des Kirchenschiffs hatte Schauroth bereits um 1922 für die Privatkapelle in der Villa Waldfried der mit ihr befreundeten Familie Carl von Weinberg geschaffen. Als die Weinbergs 1938 vertrieben worden waren, hatte die Künstlerin die Fenster vor dem Zugriff der Nationalsozialisten gerettet und zunächst an das Synodal-Museum in Limburg übergeben, bis sie sie 1953 umarbeiten und in der Nikolaikirche einsetzen konnte. Schauroth war besonders stolz darauf, dadurch am Wiederaufbau ihrer Heimatstadt mitgewirkt zu haben. Für die Passage an dem von ihrem Sohn Udo von Schauroth als Architekt miterbauten Zürichhaus am Opernplatz schuf sie 1961 ein monumentales Mosaik-Wandbild mit Pferden und Stieren. Weitere dekorative u.a. Werke von Schauroth in Frankfurt am Main nach 1945: fünf Glasfenster in der Martinskirche in Schwanheim (1948), Wandmosaik mit Pferden für die Philipp Holzmann AG (um 1950), Wandmosaik mit Pferden in der Gaststätte des Ostbahnhofs (um 1960/64), Glasfenster mit Pferden im Zollamt am Güterbahnhof, Ehrenpreis zum Arthur-von-Weinberg-Rennen. In ihren späten Lebensjahren malte und zeichnete Schauroth vor allem Tierdarstellungen, die in ihrer vereinfachten, klaren Form an ostasiatische Tuschbilder erinnern. Ihre letzte Arbeit war 1967 ein Entwurf zu einem Wandbild mit Pferdemotiven für die neue Niederräder Reithalle. In den 50er und 60er Jahren gehörte Schauroth als geschätzte Seniorin und zugleich schillerndes Original unter der Frankfurter Künstlerschaft zur Prominenz der Stadt; es rankten sich zahlreiche Anekdoten um sie. Die exzentrische Künstlerin, die seit ihrem 27. Lebensjahr immer ein Herrenkostüm mit weißer Hemdbluse und Krawatte trug, wohnte damals mit der Schriftstellerin Lotte Tiedemann und der treuen Haushälterin Anna Peter in der Rüsterstraße 24 im Frankfurter Westend, wo sie auch ihr Atelier hatte. Anläßlich ihres 85. Geburtstags 1960 Sonderausstellung im Frankfurter Kunstverein. Mitglied in zahlreichen Künstlervereinigungen, unter anderem dem Deutschen Werkbund, der Frankfurter Künstlergesellschaft und der Kunstgenossenschaft. Mitglied (seit 1924) und Präsidentin (seit 1953) des Weltbundes zum Schutze der Tiere und gegen Vivisektion. Ehrenvorsitzende der Gedok (Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnen) und des Künstlerclubs "Gebende Hände". Medaille der Frankfurter Künstlergesellschaft. 1969 Goldene Ehrennadel des Frankfurter Reit- und Fahrclubs. Bronzene Reiterstatue der jungen Schauroth von Fritz Klimsch. Porträtiert u.a. von Wilhelm Trübner ("Reiterin", 1902; im Besitz des Landesmuseums Oldenburg) und Ferry Ahrle. Künstlerischer Nachlaß in der Graphischen Sammlung des Historischen Museums Frankfurt am Main. 1984 Gedächtnis-Ausstellung, gestaltet von Udo von Schauroth, in der Galerie der Heussenstamm-Stiftung in Frankfurt am Main. Ho


Foto: Verlag Otto Lembeck "Berühmte Frankfurter Frauen" v. Edith Dörken, S.92 -
Für die Digitalisierung aufgearbeitet © H.Fester, 2011


Beschreibung des Buches, siehe "Literatur".

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Quelle: Verlag Waldemar Kramer "Frankfurter Biographie Zweiter Band M-Z".
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© Harald Fester
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