Frankfurter Hauptfriedhof: Hermann Lichtenstein (1)
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Grundlage der Recherche zum Thema Grabstelle des Hermann Lichtenstein (1852-1904)

1.

Am 27.05.2004 E-Mail von Monika F. an Webmaster von FRANKFURTER-HAUPTFRIEDHOF.DE

...Ihre E-Mail-Adresse habe ich auf der Homepage des Frankfurter Friedhofes gefunden.
Ich war diese Woche am Montag zum ersten Mal dort und war von der Ruhe und der Atmosphäre
ganz begeistert.
Da ich ein ganz bestimmtes Grab finden wollte, bin ich zur Friedhofsverwaltung gegangen – die mich dann zur Friedhofsgenossenschaft schickte – und habe mir einen Wegweiser gekauft, in dem bekannte Persönlichkeiten, die in Frankfurt beerdigt wurden aufgelistet sind.
Mein gesuchtes Grab war darin leider nicht vermerkt.
Ich habe von meiner Freundin einen Roman geschenkt bekommen, in dem ein tatsächlich passierter Mordfall um 1904 als Romanvorlage dient. Das Grab dieses Mordopfers (Hermann Lichtenstein) wollte ich nun gerne finden. Ich hatte dann die Hoffnung über die Jahreszahl auf dem Friedhof auf eigene Faust fündig zu werden, aber das war leider nicht möglich.
Können Sie mir weiterhelfen? Gibt es eine allgemeine Auflistung der Gräber? MfG aus Rodgau Monika F.

2.

Das Buch: Der Roman
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Inhalt des Buches

Titel: Die Farbe von Kristall
Autorin: Nikola Hahn
Art: Ein historischer Kriminalroman (über 800 Seiten)
Verlag: Wilhelm Heyne Verlag München ISBN: 3-453-87373-4 (ausverkauft)
Verlag: Ullstein ISBN: 3-548-26170-1  ( Preis: 10,95 Euro )
Nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint.. Der mysteriöse Raubmord an Klavierhändler Lichtenstein sorgt in Frankfurt für Aufregung und Schlagzeilen.
Die Polizei tappt im Dunkeln. Erst durch die Recherche der jungen Polizistin Laura Rothe kommt Kriminalkommissar Richard Biddling in seinen Ermittlungen einen
entscheidenden Schritt weiter. Noch ahnt er nicht, daß eine Spur in seinen eigene Vergangenheit führt. "Eine packende Geschichte, ausgezeichnet recherchiert." - Frankfurter Allgemeine Zeitung

3.

Die Aufgabe
Als wenn das Buch nicht schon spannend genug war, eines ist noch draufzusetzen:
Wo fand Hermann Richard Lichtenstein seine letzte Ruhe?
Erneutes Nachfragen bei der Frankfurter Friedhofsverwaltung ergab keinen Hinweis. Beim Autor vom Frankfurter Friedhofsführer ebenfalls Fehlanzeige. Nachfrage beim Südfriedhof - negativ.
Eine Antwort zu finden, auf die Frage: "Wo befindet sich in Frankfurt die Grabstätte von Hermann Lichtenstein (1852-1904)?", das was im Folgenden mein Bestreben. Begonnen wurde die Recherche mit einer Anfrage an die Autorin des angegebenen Romans, Frau Nikola Hahn.
 

4.

Antwort der Autorin Nikola Hahn auf die Anfrage vom 29.05.2004
Lieber Herr Fester,
vielen Dank für Ihre Mail! Die Auskunft der Leserin ist richtig:
Der am 26. Februar 1904 in seinem Geschäftshaus Zeil 69 ermordete Klavierhändler Hermann Richard Lichtenstein wurde auf dem "Frankfurter Friedhof" beigesetzt.
Die Informationen zur Beerdigung, die zum Teil auch im Vorsatz meiner Romankapitel stehen,
sind der "Frankfurter Zeitung und Handelsblatt" entnommen, die ich Ihnen (z. T. gekürzt)
unten noch mal anhänge.
Übrigens fand - laut Frankfurter Zeitung - auch die Sektion der Leiche auf dem Frankfurter Friedhof statt, und zwar am 27. Februar 1904, 2 Uhr nachmittags.
Leider kann ich Ihnen nicht sagen, wo sich das Grab von Hermann Lichtenstein befand bzw. ob es heute noch existiert.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen bzw. der Leserin wenigstens ein bißchen weiterhelfen!
Viele Grüße und ein schönes Pfingstfest
Ihre Nikola Hahn
Und hier die Zeitungsdaten: Frankfurter Zeitung und Handelsblatt
Abendblatt, 27. Februar 1904 (Samstag)
Bei der Beerdigung, die noch nicht feststeht, wird Pfarrer Battenberg sprechen.
Morgenblatt, 29.Februar 1904 (Montag)
Die Beerdigung Lichtensteins wird am Mittwoch erfolgen.
Abendblatt, 29. Februar 1904 (Montag)
Nach neuerer Bestimmung wird Hermann Lichtenstein Dienstag Vormittag 11 Uhr auf dem Frankfurter Friedhof beigesetzt.
Die Leichenrede hält, wie bereits gemeldet, Pfarrer Battenberg.
Abendblatt, 1. März 1904 (Dienstag)
Unter starker Beteiligung des Publikums erfolgte heute Vormittag um 11 Uhr die Beisetzung der Leiche Lichtensteins auf dem Frankfurter Friedhof. (...), (Roman, S. 274)
 

5.

Die Presse zum Termin der Beerdigung spricht "nur" vom Frankfurter Friedhof:

Unter starker Beteiligung des Publikums erfolgte heute Vormittag um 11 Uhr die Beisetzung der Leiche Lichtensteins auf dem Frankfurter Friedhof. Das Grab um- standen zahlreiche Neugierige, besonders Frauen. Ein Posaunenchor leitete den Trauerakt ein und beschloß ihn. Pfarrer Battenberg rief nach seiner Tröstung der Angehörigen Gott an: »Nimm Dich auch an des verruchten und in seiner Sünde doch so beklagenswerten Mörders, und hilf Du selbst, daß nicht durch ungesühnte Schuld die Heiligkeit der sittlichen Weltordnung verletzt werde!« Tief ergriffen war die Menge, als der Grabredner erzählte, daß die Mordtat am Tage der zwanzigsten Wiederkehr  des  Verlobungstags  Lichtensteins geschah.

Rote Nelken habe er seiner Gattin am Morgen geschenkt - rote Blutstropfen habe sie am Mittag erschauen müssen. Darnach sprach der Prediger von der stetigen Hilfsbereitschaft, der selbstlosen Berufstätigkeit und dem glücklichen Familienleben des Verstorbenen.
  Kränze wurden im Auftrag des Verbands deutscher Klavierhändler, von der Obertertia des Goethegymnasiums, vom Paulschor und von seinem Diener, dem Auslaufer Schick, niedergelegt. Außerdem deckten zahlreiche Blumen- und Palmenspenden von Freunden und Bekannten das Grab.

 

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