Dr. Georg Heinrich Otto Volger (1822-1897) Gewann J 815 Um Volger gab es eine Tragödie; es ist eines der unschönen Kapitel Frankfurts in dieser Zeit. Geboren in Lüneburg, ein glühender Idealist und ein eigensinniger Starrkopf, kam Volger 1856 als Lehrer an das Senckenbergmuseum. Im Schillerjahr 1859 rief er das Hochstift ins Leben. Es sollte eine Art Universität sein, ein "Bundestag des deutschen Geistes", eine Akademie der Meister, ein Institut zur Bildung des Volkes. 1863 erfuhr Volger, daß ein Tapezierermeister Clauer Goethes Geburtshaus im Großen Hirschgraben, das er erworben hatte, in ein Mietshaus umbauen wollte. Im Parterre hatte er bereits mehrere Läden eingerichtet. Das offizielle Frankfurt tat nichts. Volger erwarb kurz entschlossen das Haus, zunächst aus eigener Tasche, und richtete es in mühevoller Arbeit wieder so ein, wie es zu Goethes Zeiten ausgesehen hatte. Das Goethehaus wurde der Sitz des Hochstiftes. Knapp zwei Jahrzehnte später kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Volger, der das Hochstift ganz nach seinen Ideen lenken wollte, und einer starken Opposition. Sie endeten damit, daß Volger als Vorsitzender, den er ein Vierteljahrhundert verkörperte, abgesetzt, sondern 1881 überhaupt aus dem Hochstift ausgeschlossen wurde. Auslöser war der Steit über das von ihm geplante Wasserwerk im Riederwald. Er verließ die Stadt. In Sulzbach am Taunus stirbt am 18. Oktober 1897 der fast blinder Mann, Dr. Otto Volger. Seinem Sarge folgen nur seine Frau und seine Tochter. Es erscheint keine Todesanzeige. Das war Volgers eigener Wunsch. Die Frankfurter Zeitungen bringen nur wenige Zeilen eines Nachrufes. Dr. Otto Volger ist der Mann, dem die Stadt Frankfurt zu danken hat. Sein Grabstein auf dem Hauptfriedhof, Gewann J 815, nennt sein Verdienst, das über jeden Streit hinwegreicht und das ihm die Stadt Frankfurt niemals genug danken kann: "Dem Retter und Erhalter von Goethes Geburtshaus".