Dr. Horst Kraushaar (28.06.1946 in Eltville am Rhein - 14.06.20109 in Frankfurt am Main) CDU-Kommunalpolitiker --------------------------------------------------- 25. Juni 2010 Frankfurter Rundschau schreibt: Trauerfall in Frankfurt CDU-Fraktionschef Kraushaar ist tot VON CLAUS-JÜRGEN GÖPFERT Noch am Montagabend saßen sie in der CDU-Fraktion im Römer zusammen und der lähmende Schock war mit Händen zu greifen. Horst Kraushaar, seit gerade einem Jahr Vorsitzender der Fraktion, ist tot. Der 63-Jährige starb in der Nacht zum Montag, nachdem es schon schien, dass er seine schwere Krebserkrankung erfolgreich überwunden hatte. Mit dem Juristen, dem früheren Ministerialdirigenten in der Landesregierung, verliert die CDU einen Mann, der sich in der kurzen Zeit an der Spitze als weit mehr erwiesen hatte als nur eine Übergangslösung bis zur Kommunalwahl im Frühjahr 2011. Der ehemalige Leitende Oberstaatsanwalt hatte der Fraktion mit Selbstbewusstsein und Engagement neues Gewicht verschafft im politischen Machtgeflecht mit Oberbürgermeisterin, Stadtregierung und grünem Koalitionspartner. Kraushaar hatte sich trotz seines Alters bereit erklärt, die Nachfolge von Markus Frank anzutreten, der zum Wirtschaftsdezernenten aufgestiegen war. Er hatte mit Frank zusammen zuvor für die Sondersitzung gesorgt, in der sich der Unmut der Fraktion gegenüber den CDU-Magistratsmitgliedern Bahn brach. Er trat nie auftrumpfend auf, das hatte er nicht nötig. Denn der Mann, der als Ermittler vor 20 Jahren auch nicht vor der Vernehmung des Fußball-Stars Diego Maradona zurückgeschreckt war, besaß genügend natürliche Autorität. Er demonstrierte rasch, dass er nicht gewillt war, sich im Rathaus auf der Nase herumtanzen zu lassen - weder vom Magistrat noch von den Grünen. Unvergessen sind die klaren Worte der Kritik, die er fand, als insbesondere Bürgermeisterin und Bildungsdezernentin Jutta Ebeling durch Mehrkosten in zweistelliger Millionenhöhe für Verdruss sorgte. Immer wieder hat er der schwarz-grünen Koalition öffentlich klargemacht, dass sie sich gegenüber dem Wähler und Steuerzahler zu verantworten hat - gegenüber niemandem sonst. Wer mit Kraushaar sprach, erlebte einen Mann mit durchaus verschmitztem Humor, der aber Durchsetzungsvermögen durchschimmern ließ. Dabei war der Familienvater aus dem Rheingau ein liberaler Christdemokrat im besten Sinne - er führte das Bekenntnis zur multikulturellen Stadtgesellschaft nicht nur im Munde. Der Fraktionsvorsitzende hat freilich trotz seiner Managementfähigkeiten nicht verhindern können, dass die CDU im Römer vom rechten Rand her bröckelte, dass die jungen Stadtverordneten Wolff Holtz und Patrick Schenk durch ihren Austritt die schwarz-grüne Mehrheit knapp ein Jahr vor der Kommunalwahl torpedierten. Die CDU ist angeschlagen. Kraushaars Tod hinterlässt eine große Lücke und spitzt die Führungsprobleme der CDU im Römer dramatisch zu. Ihm hätte man zutrauen können, die politisch auseinanderdriftenden Kräfte in Fraktion und Stadtregierung zumindest bis zur Kommunalwahl zusammenzuhalten. Der amtierende Fraktionschef Helmut Heuser besitzt diese Fähigkeit in weit geringerem Maße. Das Regieren in Frankfurt wird für die Großstadtpartei CDU jetzt schwieriger denn je. --------------------------------------------------- Frankfurter CDU Nach Kraushaars Tod VON MATTHIAS ARNING Spekulationen kommen nicht in Frage. Nicht jetzt, sagt Boris Rhein am Dienstag im Gespräch mit der FR. Nicht zwei Tage nach dem unerwarteten Tod von Horst Kraushaar. "Eiskalt" habe ihn diese Nachricht tags zuvor erwischt, berichtet der Chef der Frankfurter CDU. Kraushaar reiße "eine tiefe Lücke, die nicht einfach zu füllen ist". Doch so kurz nach dem Ableben des Fraktionsvorsitzenden der CDU im Römer wolle er keine Überlegungen über die Nachfolge des Mannes anstellen, zu dem er tiefes Vertrauen gehabt habe. Eile sei in diesem Zusammenhang auch nicht geboten, setzt Rhein hinzu, wenngleich Kraushaar auch der Spitzenkandidat für die Kommunalwahl im März kommenden Jahres gewesen ist. Dieser das Rampenlicht der Öffentlichkeit nicht gerade suchende Politiker hatte sich erst vor wenigen Jahren aus dem Ortsbeirat 3 im Nordend hervorgewagt, um Stadtverordneter zu werden. Als Frontmann für die Abstimmung im März hatte Parteichef Rhein Kraushaar hervorgehoben, um deutlich zu machen: Der Vorsitzende hat zu diesem Mann, der eher uneitel wirkte, ein überaus gutes Verhältnis. "Jetzt über die Nachfolge von Kraushaar nachzudenken", fügt Rhein an, das verbiete sich schlicht und einfach. Das gelte im Übrigen für Andere in der Union auch, "die stehen alle unter Schock", zumal doch alle gedacht hätten, es ginge nach der überraschenden Krankheitsdiagnose und der baldigen Operation wieder aufwärts. Vor der Sommerpause will Rhein einen Kandidaten gefunden haben, der Fraktionsvorsitz sei mit Helmut Heuser, der die Geschäfte nach der Erkrankung Kraushaars übernommen hat, einstweilen gut besetzt. Spitzenkandidat dürfte Heuser allerdings kaum werden. Der Posten wird von "den Mittelständlern" in der CDU beansprucht. Deswegen fällt bei Spekulationen in diesem Zusammenhang auch oft der Name des Stadtverordneten Michael zu Löwenstein. Ein erfahrener Kommunalpolitiker, der sich in der Fraktion vor allem wirtschaftspolitischen Themen zuwendet. In dem Teil der Fraktion, die sich ausdrücklich nicht dem Mittelstand, sondern dem Arbeitnehmerflügel zurechnet, gilt Löwenstein anders als Kraushaar nicht gerade als Sympathieträger, dem Vermittlung gelingen und dem man synthetische Kraft zumessen könnte. Und doch dürfte er ein aussichtsreicher Kandidat sein. Zumal Jan-Dominik Schneider, der wie Löwenstein als Beisitzer dem erweiterten Vorstand der Partei angehört, zu jung für eine Nachfolge an der Fraktionsspitze zu sein scheint. Das müsste für Thomas Kirchner, einen der Stellvertreter von Parteichef Rhein, kein Hindernis sein. Kirchner gehört aber zum Arbeitnehmerflügel. Ansonsten spricht allerdings vieles für den integrationspolitischen Sprecher der Fraktion. In der aktuellen Integrationsdebatte hat Kirchner seine Partei wie die Fraktion frühzeitig und weitsichtig in einem aufklärerischen Sinne positioniert, was manche als ausdrückliches Zeichen behutsamer Politik verstanden haben. --------------------------------------------------- 25. Juni 2010 in HR-Online: ========================== Trauer um CDU-Fraktionschef Der plötzliche Tod des CDU-Fraktionschefs im Frankfurter Römer, Horst Kraushaar, hat über die Kommunalpolitik hinaus Bestürzung ausgelöst. Der 63-Jährige war in der Nacht zum Montag gestorben. Die Nachricht kam völlig überraschend, denn eigentlich hieß es, Kraushaar sei nach einem schweren Krebsleiden über den Berg. Der 63-Jährige war nur ein Jahr lang Chef der CDU-Fraktion im Frankfurter Römer. Doch in dieser kurzen Zeit erwarb er sich viel Respekt in den eigenen Reihen und war auch beim politischen Gegner wegen seiner gelassenen Art geachtet. "Er hatte die Gabe, Vertrauen einzuflößen", sagte der stellvertretende CDU-Fraktionschef, Helmut Heuser. Er sei dankbar, dass er mit Kraushaar habe zusammenarbeiten dürfen. Von einem schmerzvollen Verlust sprach SPD-Fraktionsvize Peter Manuel Feldmann. Kraushaar sei oft von sich aus auf die SPD zugegangen und habe das Gespräch gesucht. "Auf der menschlichen Ebene hat es einfach gestimmt", sagte Feldmann. Trauerbekundungen auch aus Wiesbaden: "Horst Kraushaar hat sich um die Stadt Frankfurt und die CDU Hessen vielfache Verdienste erworben", sagte CDU-Landeschef Volker Bouffier am Dienstag. "Er hat sich vielfache Verdienste, insbesondere als Fraktionsvorsitzender im Frankfurter Stadtparlament, erworben. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind in diesen Stunden bei seiner Frau und seiner Familie." Ratlosigkeit bei der CDU Der in Eltville am Rhein geborene Kraushaar war viele Jahre Staatsanwalt in Frankfurt. Zuletzt war er Abteilungsleiter im hessischen Umweltministerium. Erst seit 2009 war er zusätzlich Chef der Frankfurter CDU-Fraktion. Nach der Diagnose eines Tumors im Kieferknochen hatte er sich im Mai operieren lassen. Für die Frankfurter CDU bedeutet der Tod ihres Fraktionschefs auch massive Personalprobleme. Erst vor wenigen Wochen hatten zwei CDU-Stadtverordnete die Fraktion verlassen, womit die schwarz-grüne Koalition im Römer ihre Mehrheit verloren hatte. "Wir sind erschüttert über den plötzlichen Tod", sagte Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU). "Wir hatten uns alle ob des Zustands nach der Operation auf eine weitere Zusammenarbeit gefreut." Über Kraushaars Nachfolge will die CDU erst in einigen Tagen beraten. ---------------------------------------------------