Frankfurter Hauptfriedhof:  Füchse, ein Problem?
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Das Thema der  Füchse auf dem Hauptfriedhof ist die Grundlage eines Zeitungsberichtes

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Die Frankfurter Neue Presse vom 02.08.2006 beschäftigt sich mit dem Thema der Füchse auf dem Frankfurter Hauptfriedhof und spricht auch mit dem zuständigen Leiter Magistratsoberrat Herrn Karlheinz Braun über Ideen und Wege des Problems Herr zu werden.

Jetzt geht’s den Füchsen an den Kragen

Nordend. Nach den Kaninchen, die wie wir gestern berichteten in den Grünanlagen zur Plage geworden sind und ab Herbst mit Hilfe von Frettchen lebend eingefangen werden sollen, will die Stadt nun den Füchsen auf dem Hauptfriedhof ans Fell. Die Rotröcke finden dort eine ruhige Schlafstätte, einen reich gedeckten Tisch und angenehme Nachbarn. Doch die Totenruhe darf auch Meister Reineke nicht stören.
Klick vergrößert Da einige ihre Baue in Gräber gruben, hat das Grünflächenamt die Jagd eröffnet und schon einige Tiere geschossen. Angesichts optimaler Lebensbedingungen und entsprechend viel Nachwuchs wird jedoch nicht lange Ruhe sein. Und da auch zufällig vorbeikommende Streuner bleiben, werden die Jäger bald wieder zur Büchse greifen und die Population dezimieren müssen. Der Hauptfriedhof ist nämlich eine echte Oase für Stadtfüchse. Auf 70 Hektar haben sie keine natürlichen Feinde. Auch die häufigste Todesursache aus Menschenhand, der Verkehr, bleibt ihnen auf erspart. Nahrung hingegen ist zur Genüge vorhanden. Füchse jagen Mäuse, Ratten und – Kaninchen. Letztere sind deshalb rar auf dem Friedhof. „Man kann sich also nur entscheiden, welche Plage man lieber hat, Fuchs oder
Oben: Verschlepptes Grablicht
Foto: Dieter Georg
Kaninchen“, erklärt Karlheinz Braun, Chef der Friedhofsverwaltung des Grünflächenamtes. „Den Kollegen anderer Anlagen biete ich daher schon immer scherzhaft an, dass sie sich gegen ihre Kaninchenplage einen unserer Füchse leihen können.“ Durch das reichhaltige Nahrungsangebot nahm die Zahl der Füchse auf dem Hauptfriedhof dramatisch zu. Anfang des Jahres schätzten Fachleute ihre Zahl auf mindestens 20.
Klick vergrößert „Nach Expertenmeinung ist das mehr, als eine Fläche von der Größe des Hauptfriedhofes verträgt.“ Doch laut Zeugenberichten frischen die Füchse vom Hauptfriedhof ihr Menü mit Streifzügen in die umliegenden Stadtteile auf. Zeitgleich mit seinem Einzug in die Innenstädte hat sich Reineke Fuchs an die Lebensverhältnisse in der Mitte von Menschensiedlungen angepasst. In Gartenanlagen findet er mit Tauben, Mäusen, Ratten und Kaninchen ein großzügiges Angebot an Beute, alternativ wühlt er in Mülleimern und Komposthaufen nach weggeworfenem Essen. Obwohl der heimische Rotrock mit dem lateinischen Namen Vulpe vulpes der ideale Jäger von unliebsamen Plagegeistern und damit der beste Freund des Stadtmenschen zu sein scheint, bereitet seine Anwesenheit auf dem Hauptfriedhof Probleme.
Oben: Abfallbehälter durchwühlt
Foto: Dieter Georg
Denn bei der Wahl des Platzes für den Hauptbau oder einen der zahlreichen Nebenbaue ist Meister Reineke nicht wählerisch. Grabstätte oder Beet, dem Fuchs ist’s gleich. „Ein Bau mitten auf einer Grabstätte ist pietätlos“, urteilt Heike Appel, stellvertretende Leiterin des Grünflächenamtes. „Gegenüber den Angehörigen sind wir verpflichtet, hier einzuschreiten.“ Doch nicht nur die gestörte Totenruhe macht den Fuchs zum Problemfall. Krankheiten wie Tollwut und Parasiten wie den Fuchsbandwurm können vom Fuchs auf den Menschen überspringen. Bei der Virusinfektion, die allgemein als Tollwut bekannt ist, gilt der Fuchs als Überträger Nummer eins. Für einen Befall durch die Bandwürmer reicht bereits Kontakt mit dem Kot der Tiere. „Das ständige Risiko ist auch für unsere Mitarbeiter unangenehm“, erklärt Karlheinz Braun.
Deshalb zog die Stadt einen Schlussstrich: Jäger erlegten nachts ein Dutzend Tiere auf dem Friedhof. Jeder tote Fuchs, ob erlegt oder überfahren, wird im Tiermedizinischen Institut der Uni Gießen auf Tollwut untersucht.  Die letzte Infektion bei einem Wildtier wurde vor fünf Jahren bei einem Reh nachgewiesen,
Klick vergrößert erinnert sich Reinhard Divisch, stellvertretender Leiter des Forstamtes.
Den Füchsen auf dem Hauptfriedhof rettet das nicht die Haut. Dafür bleiben nun die Kaninchen verschont und dürften sich aus diesem Grund bald schon wieder zur richtigen Plage entwickeln und alles kurz und klein fressen.
 

(tos)

Kommentare zu diesem Thema: Unterschiedlich - aber sicherlich lesenswert
Jetzt geht´s den Füchsen an den Kragen - Am 04.08.2006 10:59 von Dieter Georg
Sehr geehrte Damen und Herren,
dieses Thema "Füchse" auf dem Frankfurter Hauptfriedhof kenne ich als regelmäßiger Friedhofbesucher leider zur Genüge. Es wird endlich Zeit, daß etwas unternommen wird. Zur Ergänzung der "Ernährung" der Füchse auf dem Friedhof möchte ich nur noch sagen, daß eine beliebte "Speise" dieser Tiere die roten Grablichter sind. Egal ob diese sich in einer verschlossenen Grablaterne befinden, oder frei stehen und egal ob sie noch brennen oder nicht, die Füchse holen sie sich in großen Mengen, zerbeißen sie und fressen das ihnen wohl schmeckende Kerzenwachs. Dabei habe ich auch schon festgestellt, daß in mehren Fällen die Füchse eine "Aktion Eichhörnchen" praktizieren und die noch gefüllten Grablichter in die lockere Graberde einbuddeln, um sie später in wieder zum Verzehr aufsuchen. Wenn Sie über den Friedhof gehen, werden sie hunderte von angefressen bzw. leeren roten Grablichthüllen überall finden. So mancher Grab-Nutzungsberechtigter wird sich schon oft gewundert haben, das das von ihm aufgestellte Grablicht plötzlich verschwunden ist.
Töten als vermeintliche Lösung.
Das ist primitiv und niveaulos. - Am 03.08.2006 00:00 von Marc Buchtmann / WIR FÜCHSE
Eine Mischung aus Unkenntnis und dummem Zeug. Die Leidtragenden: Wieder unsere Mitgeschöpfe.
Unfassbar. Einfach unfassbar, mit welcher Unkenntnis hier eine regelrechte Volksverdummung betrieben wird. Bei einem Tier von "pietätlos" zu sprechen, ist dabei der Gipfel. Füchse werden von den Jägern aus ihrem natürlichen Lebensraum vertrieben und suchen sich neue Reviere. Eichhörnchen, Vögel, Igel ... Sie alle taten das schon. Aber niemand wird so verteufelt, wie der Fuchs.
Dabei tut er nur das, was er darf: Leben! Und das Schlimmste an der Sache ist, dass das Massaker an den Füchsen nicht einmal den gewünschten Erfolg bringt. Andreas Lehmann vom ÖJV: "Eine effektive Kontrolle von Beutegreiferpopulationen ist mit jagdlichen Mitteln überhaupt nicht zu erreichen. Auf verstärkte Bejagung reagieren die Populationen sehr rasch mit einer erhöhten Reproduktion." Obwohl diese Tatsache bekannt ist, dürfen mit Rückendeckung der Stadt, die Jäger wieder sabbernd ihrem Hobby frönen. Dem sinnlosen Töten von Tieren.
Die Lügen von Tollwut und Fuchsbandwurm sind eben so alt wie überholt. Und doch werden sie immer noch verwendet, um der Bevölkerung Angst zu machen. Interessant dabei: Jährlich infizieren sich 20 Personen am "Fuchs"bandwurm, der zumeist von Hunden übertragen wird. Dagegen stehen 40 von Jägern getötete und über 800 zum Teil schwer verletzte Menschen. Die Tollwut ist bei uns nicht mehr existent.
Maßnahmen, mit denen man den Fuchs vertreiben könnte, werden überhaupt nicht in Erwägung gezogen. Nein, der Mensch tötet lieber. Das ist billiger und bringt mehr Spaß. Für jeden zivilisierten Menschen aber ist das nur zum Kotzen! Und ein unbeschreiblich peinliches Bild für die Stadt.

Mehr zum Thema im Internet unter www.wir-fuechse.de oder per Telefon: (05222) 8071811
Anfrage vom Webmaster dieser Internetseite an Marc Buchtmann / WIR FÜCHSE
Hallo Herr Buchtmann,
...Hätten Sie denn einen Vorschlag, was man für die Zukunft den Verantwortlichen des Friedhofs
raten kann, wenn das Thema mit den Füchsen wieder auf die Tagesordnung kommt.
Gerne hätte ich von einem Fachmann gewußt, was für Vorschläge da - außer Töten - sinnvoll sind.
Wo hat man es besser gemacht, als auf dem Frankfurter Hauptfriedhof ?...

Antwort (ungekürzt) per E-Mail von Marc Buchtmann / WIR FÜCHSE vom 09.08.2006
Zu "WIR FÜCHSE"
Hallo Herr Fester,

eine Frage vorweg: Warum wird gerne aus Dingen ein Problem gemacht, die gar kein Problem sind?

Kein Fuchs ist pietätlos. Und was ist überhaupt Pietät?
Ist es das Töten von Leben, um einem Toten, also ein paar alten Knochen, unendlich zu huldigen?
Der Umgang mit dem natürlichen Tod ist in unserer Zivilisation genau so verschroben, wie das Verständnis und die Ethik und die Achtung unseren Mitgeschöpfe gegenüber.
Trauer um einen verstorbenen, liebgehabten Menschen, ist völlig ok und dafür habe ich auch vollstes Verständnis. Aber diesem Toten auch noch nach zig Jahren zu dienen, dafür sogar natürliche Prozesse zu unterbinden und dafür wiederum sogar zu töten, das geht über mein Fassungsvermögen.
Das ist nicht mit Ethik, nicht mit Moral und erst recht nicht mit Gottesglauben und/oder Christentum zu entschuldigen. Das ist schlicht barbarisch.

Füchse erobern die Städte. So wie es andere Wildtiere lange vor ihnen taten. Igel, Vögel, Eichhörnchen etc. gehören längst zum Stadtbild und keiner meckert darüber. Komisch, denn auch diese Tiere gehören eigentlich in den Wald.
Doch warum kommen die Wildtiere eigentlich in die Städte? Weil sie dort bessere Lebensbedingungen vorfinden? Nein, das ist die Folge bzw. ein Nebeneffekt. Tatsächlich werden die Tiere aus den Wäldern vertrieben. Die Jäger richten unglaublichen Schaden an unserer Flora und Fauna an. 5 Mio. Wildtiere und um die 400.000 Haustiere gehen jährlich auf das Konto der Lusttöter, die sich Jäger nennen. 40 Menschen werden Jahr für Jahr von Jägern getötet und über 800 zum Teil schwer verletzt. 1.500 Tonnen hochgiftiges Blei verballen die schießwütigen Waffennarren jedes Jahr in unsere Umwelt. Chaos, Zerstörung, Blut und Gewalt kennzeichnen den Weg dieser Minderheit. Wen wundert es da, dass auch die Tiere nach einem Ausweg, nach einem sicheren Ort zum Leben suchen?

Auf meinen Grab darf ein Fuchs wohnen und sollte ich dieses auf Ihrem Friedhof bekommen, werde ich testamentarisch dem Fuchs seinen Wohnraum dort sichern, denn in unserer Zivilisation scheinen selbst natürliche Prozesse und die Natur im Allgemeinen nur noch durch Verwaltung unserer menschlichen Naivität möglich zu sein.
Wem es dann aber als Teil der Natur trotzdem partout nicht möglich ist, mit der Natur, statt gegen sie zu leben, dem bleibt nur das Töten als "Lösung"? Das nennt man "sinnvoll"? Und dieser jemand möchte für sich das Privileg zivilisiert zu sein in Anspruch nehmen?
Wie wäre es mit Maßnahmen zur Vertreibung? So gibt es z.B. Duftstoffe, die einen Fuchs vertreiben. Und diese sind sogar im einschlägigen Jagdhandel zu bekommen! Alternativ kann man auch WC-Steine verwenden.

Der "engagierte Jäger", der sicher schnell gefunden ist, denn Jägern läuft immer und sofort der Sabber, wenn man ihnen etwas zu Töten in Aussicht stellt, richtet auf einem Friedhof mit Sicherheit weit mehr Schaden an, als alle Füchse zusammen je anrichten könnten. Stichwort Bleibelastung, z.B. Diese Schäden können nämlich nicht beseitigt werden. Im Gegensatz zu den Buddelein der Füchse, die schneller wieder zugeschaufelt werden können, als ein Grab.
Und die Effektivität des Jägers? Ist sie gut? Schießt er das Problem in einer Nacht weg? Mit Sicherheit nicht! Selbst wenn es ihm gelingt die ansässigen Füchse auf dem Gelände auszurotten, sind die nächsten da, um die freien Reviere zu besetzen, noch bevor der Lusttöter seine Waffe nachgeladen hat. Ein Teufelskreis, unendlich - genau wie das Leid und der sinnlose Tod der geschundenen Kreaturen, die genau wie wir Menschen Gottes Geschöpfe sind.

Ein Friedhof ist ein Stück Natur in der Stadt. Wir Menschen sind die Eindringlinge, nicht die Tiere. Doch in unserem Wahn sehen wir die Natur als Feind und so hat WIR FÜCHSE jedes Jahr um die 25 Fuchswelpen, die durch Jäger ihre Mutter verloren haben und nun in einem Körbchen, statt im Fuchsbau - im Wald oder auf dem Friedhof - aufwachsen müssen.
Sie fragen, wo man es besser macht? Überall dort, wo man in Mitbewohnern kein Problem sieht und sie einfach in Ruhe lässt. Und überall dort, wo man sie notfalls vergrämt, wenn uneinsichtige alte Menschen die Natur zu ihrem persönlichen Feind erklärt haben. Überall dort, wo Lösungen gesucht und gehändelt werden. Lösungen und nicht das sinnlose und unmenschliche Morden.
So wie auf allen mir bekannten Friedhöfen in meiner Nähe.

Infos zum Fuchs finden Sie auch auf unserer HP.

Mit freundlichen, fuchsigen und waidmannsabschaffenden Grüßen
WIR FÜCHSE - Marc Buchtmann - www.wir-fuechse.de
 
Füchse dem Killerinstinkt des Menschen ausgeliefert
Am 18.08.2006 15:18 von Hildegund Friedrich

Füchse laufen wohl nicht unter Mitgeschöpfen, hier darf man das Tierschutzgesetz ruhig aushebeln, damit eine bestimmte Gruppe Mensch dem angeborenen Killerinstinkt frönen darf.
Aus Unkenntnis und auch Profilierungssucht rottet man eben aus, was nicht in die Vorstellungskraft einzelner Leute paßt. Vielleicht sollte man mal nach den Ursachen forschen, warum sich Füchse jetzt immer mehr in die Nähe der Innenstädte ziehen. Der Mensch zerstört ihre Lebensräume, aber das ist wohl bei vielen noch nicht im Kopf angekommen.
Der Friedhof bietet wenig Nahrung für Füchse, ab und zu mal ein paar Mäuse, und das hängt vom Jahr ab, doch von einer Kaninchenplage habe ich in ca. 15 Jahren (abgesehen von 1-2 Kaninchen) nichts bemerkt. Das ist ein Märchen.
Übrigens die Totenruhe auf dem Frankfurter Hauptfriedhof wird sowieso jahrein, jahraus ständig durch Maschinenlärm gestört. Ob Frühling, Sommer, Herbst und Winter und sogar während der Brutzeit (entgegen den Aussagen des Grünflächenamtes) werden abgeholzt, Bäume, Büsche, Sträucher, etc. Vogelarten, wie z.B. der Zaunkönig sind inzwischen fast verschwunden. Aber das macht ja der Mensch, somit ist es nicht schlimm!
Ärger und Wut steigen in einem hoch über soviel Arroganz und Borniertheit.
Mitgefühl für andere Lebewesen hat in unserer Zeit wohl keinen Platz!