Resistograph lehrt Stradivari das Fürchten Die Eignung von Holz für den Instrumentenbau läßt sich von nun an bereits am stehenden Baum ermitteln. In einem vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten geförderten Projekt paßten Mitarbeiter des Instituts für Musikinstrumentenbau in Zwota das Bohrnadelmeßverfahren mit dem Resistographen erfolgreich ihren Bedürfnissen an. Früh zeigt sich, was eine gute Geige werden will, aber schwer ist es festzustellen. Bisher mußten die Geigen- und Gitarrenbauer warten, bis die Fichtenbalken vor ihnen lagen, um anschließend festzustellen, daß sich ein Großteil des gefällten Holzes für ihre Zwecke nicht verwenden ließ - große Mengen Ausschuß waren die Regel. Um diesem Mißstand Einhalt zu gebieten, beschritten thüringische Instrumentenbauer ganz neue Wege. Bei der Suche nach Möglichkeiten, die Qualität schon am Baum festzustellen, ohne ihn dabei zu verletzen, wurden sie auf den Resistographen aufmerksam. Ursprünglich zur Feststellung schadhafter Bäume in Parkanlagen konstruiert, mißt das Gerät während eines Bohrvorgangs in den Stamm bestimmte Werte. Jahresringaufbau, Rohdichte oder Elastizität zum Beispiel werden ermittelt: Eigenschaften, die auf die Klangqualität des Holzes entscheidenden Einfluß haben - und auf die Güte der daraus gebauten Zupf- oder Streichinstrumente. Um die für ihren Bedarf möglichst präzisen Messungen zu gewährleisten, rüsteten die Thüringer das Gerät für die Tests mit einer speziellen Haltevorrichtung aus. Ein Computer sollte die Ergebnisse auswerten. Wie verläßlich der Resistograph arbeitet, zeigte der tatsächliche Vergleich. Zwanzig der etwa 140 Jahre alten Fichten des Thüringer Walds wurden im Anschluß an die Messung gefällt. Die Instrumentenbauer entnahmen Holzproben für das Schnitzen von Gitarrendecken, trockneten sie und führten akustische Vergleichsmessungen durch. Mit Erfolg: die per Computer ausgewerteten Daten des Resistographen stimmten mit den Messungen an den Holzstücken weitgehend überein. Noch höhere Übereinstimmungen lassen sich erzielen, wenn das angeschlossene Computerprogramm präziser an die konkreten Anforderungen der Instrumentenbauer angepaßt wird. Dann steht der gezielten Auswahl von Resonanzholz auch in der breiteren Anwendung nichts mehr im Weg. In Anbetracht der abnehmenden Anzahl geeigneter Starkholzstämme eine wichtige Voraussetzung zur qualitätsgerechten Versorgung einheimischer Instrumentenhersteller. Jedoch kein Ersatz für das Beherrschen des Handwerks: Letztendlich liegt es auch in der Hand des Geigenbauers, was aus dem Klangholz wird. Herausgeber: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V., Hofplatz 1, 18276 Gülzow Verantwortlich: Dr.-Ing. Andreas Schütte Tel.: (03843) 6930-0, Fax.: (03843) 6930-102 e-mail: info(at)fnr.de