Frankfurter Hauptfriedhof:  Denkmalamt - Andrea Hampel
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In der FAZ vom 04.07.2007 war ein Bericht unter dem Titel "Ton, Steine, Scherben"
von Dr. Dieter Bartetzko über die neue Leitung des Denkmalpflegeamt in Frankfurt am Main zu lesen.

Mehr über Dr. Dieter Bartetzko (Foto)

Die Leitung des Denkmalpflegeamts in Frankfurt am Main zählt sicher nicht zu den begehrter Posten.
Im Gegenteil: Wenige deutsche Städte haben durch den Krieg so viele Denkmäler verloren, und noch
weniger haben nach 1945 so viele weitere abgerissen. Der Raubbau an historischer Substanz hat in
dieser Stadt gewissermaßen eine fest Tradition.
Andrea Hampel ist Frankfurts neue oberste Denkmalschützerin. Zur Zeit gräbt sie im Rahmen von
Sanierungsmaßnahmen am spätgotischen Karmeliterkloster, dem heutigen archäologischen Museum der Stadt. Der Ort ist ein Kronzeuge für sorglosen Umgang mit Denkmalen - 1944 beschädigt, blieb die herrliche Klosterkirche vierzig Jahre Ruine, ehe sie zu Museumszwecken wieder aufgebaut wurde. Den Klosterbauten wiederum fehlt das schlanke gotische Priorat, ein 1944 ausgebrannter, doch standfester Trakt, der 1950 zugunsten einer Straßenverbreiterung einer schmalen Grünanlage weichen mußte.
Andrea Hampel (Foto H.Fricke) Andrea Hampel ist fündig geworden; sie und ihre Mitarbeiter sind auf eine spätmittelalterliche Abfallgrube gestoßen, die schon eine Fülle zum Teil gut erhaltenen Küchengeschirrs sowie Scherben und Tierknochen freigegeben hat. All dies wird die Kenntnis über die Lebensumstände der Mönche des 13. und 14. Jahrhunderts erweitern. Dieser Erfolg steht im Schatten jener für Frankfurt sensationellen Ausgrabung, mit der Andrea Hampel bekannt wurde: Neuling damals in der hiesigen Abteilung Bodendenkmalpflege, fand die promovierte Archäologin 1992 im Untergrund des Frankfurter Doms
zuvor unbekannte merowingische Vorgängerbauten - und das mit reichen Beigaben und Schmuck ausgestattete Grab eines Mädchen
, einer Fürstentochter wahrscheinlich.
Dieser Sternstunde folgten weitere Erfolge wie das Auffinden zweier intakter Jupitersäulen der römisch-antiken Stadt Nida im Frankfurter Vorort Heddernheim. Die Mühen das Alltags als Amtsleiterin im denkmalscheuen Frankfurt aber stehen Andrea Hampel am derzeitigen Grabungsort direkt gegenüber: Nur eine schmale Straße trennt das Kloster vom Firmengelände des Degussa-Konzerns, der sich aus diesem Standort zurückzieht.
Unter den Bauten, die nun zum Abbruch freigegeben werden, befinden sich
etliche hervorragende Beispiele der frühen Wiederaufbaumoderne, dazu ein 1935 entstandener Verwaltungsbau, der mit Travertinverkleidung und einer markanten Eckfigur eines der besten Beispiele für die seltene Symbiose von klassischer Moderne und NS-Architektur darstellt. Diesen Bau und eventuell einige Trakte der Wiederaufbaumoderne abrisswütigen Investoren und abrissfreudigen städtischen Planern abzuringen, wird die erste harte Bewährungsprobe für die neue Denkmalschützerin sein.
Beileibe aber nicht die letzte. Frankfurts Stadtkern wird in den kommenden Jahren geradezu umgepflügt werden. Andrea Hampel wird den Spaten oft gegen Glacé- und zuweilen auch Boxhandschuhe tauschen müssen.